Die Formel für erfolgreichen Content

Erfolgreicher Content lässt sich planen. Es gibt sogar eine Formel für erfolgreichen Content, sofern man unter Erfolg ein Maximum an Reichweite versteht.

Die Formel lautet Bewegungsintensität x Reichweitenverstärker. Sie ist auf Grundlage der Analyse der meistgelesenen Artikel der Main-Post im Jahr 2018 entwickelt worden.

Alle Top-Geschichten auf mainpost.de sind „Das bewegt mich“-Geschichten, flapsig könnte man auch von Betroffenheit sprechen, Betroffenheit aber im direkten Sinn. Interessant ist, inwiefern die Stories die Menschen bewegen.

Bewegung meint hier zweierlei. Einmal die direkte körperliche Bewegung. Müssen Menschen durch die Information in der Geschichte unmittelbar ihr Verhalten ändern oder werden sie dazu gezwungen, in absehbarer Zeit etwas zu tun, ist die Lesequote des Textes am höchsten. Bewegung meint in diesem Kontext zusätzlich die emotionale Bewegung. Löst der Text Emotionen aus und wenn ja, handelt es sich um strake, mittlere oder schwache Emotionen? Ist der Content ein bewegender Content?

Je nach Bewegungsintensität ist er dann mehr oder weniger erfolgreich, wird er mehr oder weniger rezipiert. Ganz einfach im Grunde.

Bewegung und Emotionalität sind die wichtigsten Faktoren für erfolgreichen Content

sage ich 😉

Es lassen sich im wesentlichen vier Bewegungsintensitäten unterscheiden.

1. Bewegung durch starke Emotionen und/oder körperliche Handlungen

Starke Emotionen sind Trauer, Wut, unerwartetes Glück, Liebe, Schrecken, Staunen und Begeisterung. Physische Bewegungen sind unmittelbare Handlungen auf den Content. Am einfachsten zu beobachten bei Wettermeldungen. Ist Regen angesagt, zieht man besser einen Regenmantel an. Oder bei Verkehrsmeldungen, die zur Folge haben können, dass man einen Umweg fahren oder ein anderes Verkersmittel nutzen muss.

Die reichweitenstärksten Artikel auf mainpost.de sind genau solche Meldungen:

Starke Emotionen wie Wut, Trauer, Schrecken machen für viele Leser Meldungen über schwere Unfälle oder Gewaltverbrechen die Attraktivität solcher Texte aus, die in der Hitliste der Top-Inhalte auf allen Nachrichtenseiten immer ganz oben angesiedelt sind.

2. Bewegung durch mittlere Emotion oder mögliche körperliche Bewegungen

Mittlere Emotionen sind : Mitleid, Überrascht-sein, Besorgnis, Fröhlichkeit, Neugierde . Der Übergang zwischen starken und mittleren Emotionen ist natürlich fließend. Dabei spielt auch ein wichtiger Reichweitenverstärker eine Rolle, die geografische Nähe. Aber dazu später.

Meldungen, die mittlere Emotionen ausgelöst haben, waren:

Gerade Meldungen über Veränderungen im öffentlichen Gewerbe gehören regelmäßig zur zweitstärksten Reichweitenkategorie. Schließt eine Metzgerei, wechselt der Besitzer eines Restaurants, öffnet eine neue Bäckerei, dann ist die Lesequote immer hoch. Doch deutlich unter der ersten Kategorie. Die Erklärung dafür ist an sich recht einfach. Anders als etwa bei Wettermeldungen lösen sie keine unmittelbare physische Reaktion aus, sie eröffnen lediglich die Möglichkeit einer Bewegung.

3. Bewegung durch schwache Emotionen

Schwache Emotionen sind Interesse, Gelassenheit, Langeweile, Verwunderung, Gereiztheit, nachdenklich-, erfreut- oder amüsiert-sein.

4. Emotionale Bewegung durch Verwirrung
(Wie kann das sein? Das gibt’s doch nicht!)

Auch die Texte der letzten Kategorie sind im Vergleich zu vielen anderen Artikeln, die täglich den Weg ins Internet finden, vielgelesener Content. Zwischen Kategorie 1 und 4 liegt etwa Faktor 10 was die Lesequote betrifft. Zwischen 3 und 1 etwa Faktor 5 und zwischen 1 und 2 Faktor 2 bis 3. Texte der ersten Kategrie werden also etwa zwei bis dreimal häufiger angeklickt als die der zweiten Kategorie und zehnmal mehr als die der vierten.

Reichweitenverstärker

Alles wäre so wunderbar einfach, gäbe es da nicht noch die Reichweitenverstärker, die das Content-Ranking vordergründig durcheinanderwirbel könnten. Doch tun sie das tatsächlich nicht. Ein Text der Kategorie 4 kann bei der Lesequote mit einem Reichweitenverstärker eine Kategorie höher in die Kategorie 3 rutschen. Den gleichen Effekt beobachten wir aber bei allen Texten in den verschiedenen Kategorien. Heißt: Ein Text der Kategorie 4 mit Reichweitenverstärker wird nur sehr selten häufiger gelesen als ein Text der Kategorie 3 mit Reichweitenverstärker. Ein Content der Kategorie 3 ohne reichweitenverstärker kann aber durchaus unter einen der Kategorie 4 mit Reichweitenverstärker rutschen … und sofort

Aber was sind Reichweitenverstärker eigentlich?

Reichweiten-Verstärker sind Sekundäraspekte einer Geschichte, die dafür sorgen, dass das jeweilige Thema eine höhere Aufmerksamkeit erlangt. Der wichtigste Sekundäraspekt ist geografische Nähe. Die Geschichte über den Starkregen im Nachbarlandkreis wird häufiger gelesen als die Livebrichte über den Hurricane im Atlantik. Binsenweisheit, klar. Spielt aber bei der Bewertung des Contents eine enorme Rolle und vernebelt einem gelegentlich auch den Blick auf Geschichten, die nur vermeintlich hohe Reichweiten erzielen können.

Der zweite Reichweitenverstärker ist Rundfunk und Fernsehen. Wird ein Thema im TV aufgegriffen, steigt das Interesse sofort an. Eine Geschichte wie „Was ist im Fasching erlaubt und was nicht“ funktioniert nur deshalb, weil der Anlass zur Diskussion für die Main-Post unmittelbar vor der Haustür spielte und vor einem Millionenpublikum im Fernsehen stattfand.

Ein weiterer Reichweitenverstärker sind die Gatekeeper im Internet, das sind Google und Facebook. Wird der Content gut gefunden oder in den Netzwerken geteilt, kann sich die Reichweite auf den Inhalt natürlich erhöhen. Immer vorausgesetzt, der Content weckt ein Mindestinteresse.

Nicht zu unterschätzen sind die Reichweitenverstärker Kinder, Tiere, Familie und Promis. Sobald der Text über eines dieser vier Themen berichtet, steigt ebenfalls wieder die Reichweite. Einfaches Beispiel: Welche Geschichte lesen Sie lieber „Jemand geht zum erstenmal mit seiner neuen Freundin aus“ oder „Der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg geht mit seiner neuen Freundin aus“? Naja, sobald Sie den Landkreis Würzburg verlassen, verliert auch diese Geschichte wieder an Relevanz.

Da sie eine Grundemotionalität von vornherein mitbringen, sind Geschichten über Kinder, Familie, Tiere und Promis für viele Medienangebote auch so interessant. Man braucht gar keine wirklich gute und emotionale Geschichte, um diesen Content attraktiv zu machen. Die Belanglosigkeit etlicher Boulevard-Medien gibt ja immer wieder Anlass zu Medienkritik. Tatsächlich würden die meisten Stories vollkommen an Relevanz verlieren, wenn es nicht um irgend einen Promi ginge. Das macht die Produktion von Boulevard-Content so simpel und industriell erfolgreich: Man erzählt einfach irgendetwas über Kinder, Tiere, Familie oder Promis.

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